Dieser Text entstand nach einem Theaterbesuch mit einem Universitätskurs am Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Wir sahen Die Welle. Zunächst sah ich dieses Stück vor allem mit Bezug zu Faschismus. Doch eine Szene über die Angst eines homosexuellen Jugendlichen vor der Ablehnung seiner Familie traf mich unerwartet tief. In diesem Moment lief mir eine Gänsehaut über den ganzen Körper. Ich erkannte viele der gezeigten Mechanismen aus meinem eigenen Aufwachsen in einem freikirchlichen Umfeld wieder. Die wiederkehrende Gänsehaut steht für das eigene innere Erwachen – für den Moment, in dem das eigene Empfinden stärker wird als Regeln, Dogmen und Erwartungen. Sie steht dafür, endlich der eigenen Wahrheit mehr zu vertrauen als den Stimmen, die einem so lange gesagt haben, was man denken, fühlen und sein soll. Aus diesem Moment ist dieser Text entstanden.
Sitzt da und schaust Theater
Siehst, wie die Welle bricht
Denkst, du lebst in der Liebe
Und dich betrifft das nicht
Doch was du brauchst
Ist Gänsehaut!
Macht durch Disziplin
Lebst die Doktrin
Weißt ganz klar falsch und wahr
Und all das hat dein Ja
Angst vor Ausschluss, Angst vorm Grill
Doch was du brauchst
Ist Gänsehaut!
Macht durch Gemeinschaft
Vermeintlich alle gleich, doch folgst den Führern
Alle zusammen, alles teilen, nichts ist dein
Hände hoch, alle runter,
Köpfe wippen im Takt
Watschelst andern hinterher
Doch was du brauchst
Ist Gänsehaut!
Macht durch Handeln
Tu dies, tu das,
Lass dies, lass das,
Veränder dich
Geh hin, mach mit, mach Gänse
Hältst Schnabel ruhig und Flügel still
Doch was du brauchst
Ist Gänsehaut!
Du dumme Gans!
/ Anika
Hier geht es zum Beitrag auf Instagram.
