Widersprüche im christlichen Glauben

Kognitive Dissonanz war ja nichts Neues. Eine unperfekte Schöpfung von einem allmächtigen, perfekten Schöpfer. Demut als höchstes Gut bezeichnen und dem Pastor applaudieren. „Nur Gott kann erretten” sagen und sich trotzdem bis in den Burnout dienen.

Alles normal. Gepaart mit dem Schwarz-Weiß-Denken und den völlig absurden Kategorien hat es mir viel Kraft abverlangt. „Die Interpretation meiner Kirche ist die Richtige und alle anderen haben die Bibel nicht richtig gelesen oder Gott nicht in ihrem Herzen.“

Ich bin „mit Gott in meinem Herzen“ auf Stellen gestoßen, die für mich klar zeigten, dass vorherbestimmt ist, wer den Weg zu Gott finden kann und auch wer nicht. Stellen, die meine „Kirche mit perfekter Interpretation” nicht interpretieren wollte. Dieser gute, gerechte Gott-Vater hat schon längst entschieden, wer zu ihm darf und vor allem wer nicht?

„Wie soll ich ein Wesen verstehen, das außerhalb meiner Realität agiert – Gottes Logik muss ja höher sein“. Mit dieser Logik habe ich mich das erste Mal bewusst gegen mein Denken entschieden und bemerkte, es gibt unterschiedliche Interpretationen.

Vor mir die Sintflut. Der liebende, allwissende Friedefürst trifft eine Entscheidung, ganz rational und mit ganz viel Weitblick. „Alle Menschen sind schlecht – ich bringe alle um – dann wird das schon.“ Und siehe – es wurde nicht. Er rennt den 99 nach, um den einen zu ertränken?

Die Fragen über Widersprüche, Gottes Liebe für das Sterben, Ungerechtigkeit, Interpretationsspielraum, Wahrheitsanspruch, Vollständigkeitsanspruch – der ganze Bums – haben keine Antworten. Und je tiefer ich wühle, desto mehr Parallelen gibt es zu Mythen aus anderen Kulturen. Die perfekte Offenbarung ist zusammengeklaut.

Menschen erzählen Geschichten. Geschichten können Halt geben. Aber so oft werden diese Geschichten zur Kontrolle genutzt. Wer erzählt, hat Macht. Aber hat keiner darüber nachgedacht, dass irgendwann die Leidfrage aufkommen könnte? Oder sich mal überlegt, warum im Himmel „perfekte Liebe” plötzlich auch ohne Leid gehen soll?

Heute bin ich raus. Ich bin dem Moralkompass, den ich mal für christlich gehalten habe weiter gefolgt und ecke damit immer mehr an. Rechts sein ist vielen Christ*innen wichtiger als jede „gute Frucht”, an der man erkannt werden könnte. Und während man mich ablehnt und nicht mit mir reden will, fühlen sie sich durch andere Meinungen verfolgt.

Von Menschen wie mir. Menschen die verletzt sind, nach Wahrheit und Gerechtigkeit suchen und dafür auch mit Christ*innen reden würden. Menschen, die sich hier und heute eine bessere Welt wünschen, weil im Himmel scheinbar niemand weint.

/ Raphael

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