Dann hoffe ich…

Wenn meine Fragen größer sind als all die schalen Antworten und ich die Wahrheit langsam ziehen lasse, von der ich glaubte, sie sei mein festes Fundament. Dann hoffe ich noch immer, dass da Eine ist, die mich versteht und nicht verlässt.

Wenn ich meine Augen öffne für die Ungerechtigkeiten, den Rassismus, das Patriarchat und den Sexismus hinter den vielen Glaubens-Institutionen. Dann hoffe ich noch immer, dass da Eine ist, die wieder heilen kann.

Und wenn ich meine Stimme verliere, weil leere religiöse Worthülsen nicht länger mit meinem Inneren harmonieren. Dann hoffe ich noch immer, dass da Eine ist, die mich neue Worte finden lässt und deren ganz individuellen Klang zelebriert.

Wenn ich große Träume zerplatzen lasse, von denen ich glaubte, sie würden den göttlichen Ruf in meinem Leben bestätigen. Dann hoffe ich noch immer, dass da Eine ist, die mir die Freiheit schenkt, mein eigenes Ding durchzuziehen.

Wenn ich meinen Körper für mich zurückerobere und diesen als den Tempel Meines Seins erkläre. Dann hoffe ich noch immer, dass da Eine ist, die sich mit mir freut, wenn ich unbeschwert tanze, springe und mutig einen Fuß vor den anderen setze, in einer Welt, die ich endlich mein Zuhause nennen kann.

Und wenn ich zum Himmel schreiendes Unrecht sehe und Menschen in enge Rollenbilder gedrängt, manipuliert und unter Druck gesetzt werden. Dann will ich hoffen, dass sie mir den Mut zeigt, der in mir steckt, um anzuklagen, was nicht rechtens ist.

Ich will hoffen, dass die Ewige da ist. Und ganz tief in meinem eigenen Atem zu finden ist. Gerade dann, wenn mir die Worte fehlen. Gerade dann, wenn ich loslasse. Gerade dann, wenn ich mich frei denke.

Du Ewige, mögest du mit mir sein und mit mir neue Horizonte erkunden. 

Anja