Die Angst authentisch zu leben

Content Note: Hass gegen LGBTIQ+

Rückblick:

Eines Tages bekamen wir einen Anruf.

Kinder- und Jugendpsychiatrie. Unser Kind hat versucht, sich das Leben zu nehmen. Wurde gefunden. Lebt.

Eine dunkle Welle von Angst,  Verzweiflung,  Mutlosigkeit, Wut ‒ vielleicht alle Gefühle, die unser Kind in diesem Moment gespürt hatte, überspült nun auch uns. 

Was war geschehen? 

Ein Kind, aufgewachsen im Glauben: „Gott liebt uns wie wir sind. Wir können nicht aus seiner Hand fallen. Er lässt uns niemals los.” 

Diesem Kind wird gesagt: „Wie du bist, liebt dich Gott nicht mehr, du bist aus seiner Hand gefallen, er hat dich losgelassen.”

Ein Kind, das einen großen Schmerz in sich trägt, mit dem es zu niemandem gehen kann, mit dem es aber auch niemandem wehtut. 

Unser Kind ist ein Junge, geboren im Körper eines Mädchens. 

Fällt aus der Hand eines Gottes, aus der man angeblich nicht fallen kann. 

Es gibt nur schwarz und weiß und unser Kind hat gelernt, was die schwarze Seite bedeutet. Fällst du aus der Hand Gottes, fällst du tief bis zum Mittelpunkt der Erde. Bis in die Hölle. 

Ein gutes Kind. 

Freundlich, nie bösartig, glaubend und ehrlich. 

Ein Junge. 

Die Menschen aus der Freikirche nennen es Sünde. Doch es ist keine Sünde! Nein, es handelt sich um seine Identität, die er selbst nicht steuern kann.

Heute:

Ein gestandener, junger Mann steht vor mir. Er lächelt. Er wirkt zufrieden. 

Unsere Liebe und Akzeptanz haben ihm gut getan. Neue Freunde, die ihn nehmen wie er ist und nicht auf Heilung warten. 

Er braucht keine Heilung. 

Er ist perfekt, wie er ist. 

Ein gutes Kind. 

Freundlich, nie bösartig, an das Gute glaubend und ehrlich. 

Ein junger Mann.

/ Joan

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