Krebs.
Ein Wort, das nach Ende klingt.
Ich komme aus einer Welt, in der Krankheit oft eine Bühne war.
Für Gebete.
Für Selbsterforschung (welche Sünde habe ich noch nicht bekannt?)
Für „Gott hat einen Plan“.
Und für Schweigen.
Ich bin jetzt exevangelikal.
Das heißt: Ich habe gelernt, Fragen zu stellen, wo früher Antworten fertig geliefert wurden.
Ich habe gelernt, dass es keine Prüfsteine in einem kosmischen Krieg um meine Seele gibt.
Keine Lektionen, die mir eine Gottheit auferlegt.
Keine göttliche Choreografie.
Krebs ist kein Gleichnis.
Kein geistlicher Weckruf.
Krebs ist Zellteilung, die entgleist.
Biologie ohne Moral.
Früher hätte man vielleicht für mich gebetet, als wäre ich ein Schlachtfeld zwischen Himmel und Hölle.
Heute weiß ich:
Ich bin kein geistlicher Kriegsschauplatz.
Ich bin ein Mensch. Hochentwickeltes Säugetier.
Evolution mit all ihren Fehlern.
Nicht bestraft mit Erbsünde.
Ich lehne es ab, meine Diagnose spirituell aufzuladen.
Ich lehne es ab, sie als Strafe oder Prüfung zu deuten.
Ich lehne es ab, tapfer im Sinne von „Gott wird’s schon richten“ zu sein.
Mein Umgang damit ist nüchtern.
Manchmal wütend.
Oft müde.
Und doch erstaunlich klar.
Ich glaube nicht mehr an Wunderheilungen als theologisches Konzept.
Aber ich glaube an Ärzte*Ärztinnen
An Forschung.
An Operationen.
An Chemotherapie, auch wenn sie hart ist.
An die Fähigkeit des Körpers zu kämpfen.
Es ist seltsam befreiend.
Der Krebs zwingt mich nicht zurück in alte Glaubensmuster.
Er zwingt mich nur, ehrlich zu sein.
Ehrlich über Angst.
Über Endlichkeit.
Über Einsamkeit.
Über das, was ich brauche – und was nicht.
Ich brauche keine Sinnzuschreibung.
Ich brauche Mitgefühl.
Ich brauche Menschen, die sagen:
„Das ist scheiße.“
Und bleiben.
Krebs ist kein Plan einer höheren Macht.
Mein Umgang damit – der ist meine Entscheidung.
/ @aussteigerrobin
Hier geht es zum Beitrag auf Instagram.
